Spannende Social-Franchising-Projekte aus Österreich

Social-Franchise-System atempo

Klaus Candussi und Walburga Fröhlich: Gründer und Geschäftsführer von atempo

Über die Franchise-Expertin Waltraud Martius wurden wir vor einiger Zeit auf die Social-Franchise-Projekte atempo, nueva und capito aufmerksam. Social Franchising erfreut sich zwar wachsender Beliebtheit, doch es gibt noch immer reichlich Aufklärungsbedarf, worum es dabei eigentlich geht. Einer der beiden Gründer, Klaus Candussi, hat sich die Zeit genommen und ein paar Fragen zu seinen Systemen beantwortet.

Social-Franchise-System atempo

Verena Iking: Ihr Unternehmen atempo macht sich für die Gleichstellung aller Menschen stark, und das bereits seit der Jahrtausendwende. Wie kam es zu der Initiative?

Klaus Candussi: Ausgangspunkt für die Gründung von atempo war einerseits die Unzufriedenheit mit den Ergebnissen der sogenannten Behindertenarbeit, deren Teil Walburga Fröhlich und ich selbst waren. Trotz hohen Einsatzes kommt da am Ende oft Exklusion statt Inklusion von Menschen mit Behinderung raus.

Das Leitmotto der Selbstvertretungsbewegung von Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderung (früher nannte man sie „geistig behindert“) heißt: “Nichts über uns – ohne uns!”. Dem wollen wir mit atempo folgen und so wirklich inklusive Lösungen realisieren.

Verena Iking: Und wie genau versuchen Sie mit den Projekten atempo, capito und nueva Einfluss auf die Gleichstellung zu nehmen?

Klaus Candussi: Im Grunde geht es in allen unseren Bereichen um dasselbe Kernthema: Menschen mit Lernschwierigkeiten und Behinderungen sollen Zugang zu allen gesellschaftlichen Angeboten bekommen. In unserer Arbeit heißt das dann einmal Beratung für barrierefreies Bauen, ein andermal Informationen so gestalten, dass alle sie lesen und verstehen können. Und es bedeutet auch, Zugang zu neuen Rollen zu bekommen: bezahlte Mitarbeiterin in einer Firma statt Taschengeld-Empfängerin in einer Behindertenwerkstatt, Kunde statt Klient oder auch Öffi-Nutzerin statt Passagier im Behindertentaxi.

Verena Iking: Unter der Marke nueva bieten Sie Evaluationen an, die von Menschen erstellt werden, die selbst Lernschwierigkeiten und Behinderungen haben. Wozu sind diese Evaluationen Ihrer Meinung nach besonders geeignet?

Klaus Candussi: Bei der nueva-Evaluation geht es um die Ergebnisqualität sozialer Dienstleistungen. Wer kann die besser beurteilen, als die NutzerInnen derselben? Tatsächlich wurden die aber – weil das halt nicht ganz einfach ist – bisher nie gefragt, was sie wirklich brauchen und nutzen. Die Stärkung der NutzerInnen bzw. KundInnen Rolle ist ein Ergebnis von nueva.

Interessant sind die Ergebnisse der Evaluationen aber auch für die Anbieter, die erfahren, welche ihrer Leistungen tatsächlich in welcher Qualität ankommen. Aufbauend auf diesen Rückmeldungen können die Anbieter ihre Leistungen kundengerecht gestalten.

Und last but not least hat die öffentliche Hand, wenn sie ihre Sozialausgaben politisch rechtfertigen muss, enormes Interesse, zu wissen, welche Qualität(en) sie tatsächlich für ihr Geld bekommt.

Verena Iking: Wie kam es zu der Idee Ihre Konzepte als Social-Franchise-Systeme anzubieten?

Klaus Candussi: Es ist eine Spezialität des Sozialbereichs (nicht nur, aber auch dieses Bereichs), das Rad ständig neu zu erfinden. Das kostet Geld und hemmt den Fortschritt. Social Franchising sehen wir als faires Tauschmodell und als Möglichkeit gut funktionierende Modelle rasch zu verbreiten. Ganz im Sinn Bill Clintons, der meinte, „für jedes Problem gibt es irgendwo bereits eine Lösung. Wir sind nur nicht in der Lage, sie zu übertragen“. So gesehen bietet sich Franchising als Verbreitungsmodell in idealer Weise an.

Verena Iking: Gibt es denn bereits Franchise-Partner und welche Erfahrungen machen sie?

Klaus Candussi: Ja, unsere beiden Franchise-Marken capito – für Barrierefreiheit und nueva werden aktuell von sieben Franchise-Partnern in Österreich und Deutschland vertreten. Noch heuer kommen zwei weitere Partner in Deutschland dazu.

Wie in anderen Branchen auch ist auch Social-Franchising für initiative Köpfe eine tolle Möglichkeit unternehmerisch tätig zu werden. Das schöne Gefühl in einem Partner-Netzwerk gut aufgehoben zu sein und dabei auch noch positiven social impact zu bewirken, gibt es sozusagen als Goodie oben drauf.

Über die Gründer von atempo
Mag.Klaus Candussi, MAS, studierte erst Musikwissenschaft und später Sozialmanagement. Arbeitete als Journalist und Geschäftsführer im Behindertenbereich. Seit 2001 Gründer und Geschäftsführer von atempo. Walburga Fröhlich, MA, ist Sozialarbeiterin, Supervisorin und Organisationsberaterin. Nach verschiedenen Leitungsfunktionen im Sozialbereich seit 2001 Gründerin und Geschäftsführerin von atempo.

 

 

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