Zu langsam im Recruiting: Wie man die besten Franchise-Interessenten verliert

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Langsam im Recruiting gleich hohe Absprungquote der Bewerber

Bereits im Herbst machte mich mein Kollege auf eine interessante Erfassung einer Recruiting-Plattform aufmerksam. Softgarden wertete über 140.000 Bewerbungen anonym aus und stellte fest, dass die meisten Bewerber eine Reaktion innerhalb von 14 Tagen erwarten – die Reaktionszeit betrug allerdings durchschnittlich 25 Tage. Die naheliegende Konsequenz: gerade besonders gut qualifizierte Bewerber springen ab, bevor es überhaupt zu einer Reaktion seitens des Unternehmens gekommen ist. Schließlich wissen sie, was sie zu bieten haben und können auf (vielleicht schneller vorliegende) Angebote der Wettbewerber eingehen.

 

Lange Reaktionszeiten – auch ein Problem der Franchise-Wirtschaft?

Dass zu lange Wartezeiten auch für Franchise-Interessenten abschreckend wirken, davon ist auszugehen. Tatsächlich kommt dies wohl leider häufiger vor, als man gemeinhin annehmen mag. Vor allem, wenn man die Tatsache in Betracht zieht, wie mühsam und kostspielig die Suche nach geeigneten Franchise-Partnern ist, verwundert es doch, dass dann ausgerechnet in dem Moment, in dem eine Anfrage gestellt wird, bei manchem Franchise-System viel zu viel Zeit vertan wird.

Steffen Kessler besuchte einst eine Neueröffnung eines Schülerhilfe-Standortes und unterhielt sich mit der frisch gebackenen Franchise-Nehmerin. Sie entschied sich für Schülerhilfe auch wegen der prompten Reaktion. Steffen Kessler beschreibt das in unserem Treff-Artikel so:

„Schnell muss es bei ihr gehen, das wird deutlich. Ein Grund, sagt sie, warum sie sich für die Schülerhilfe entschied. Denn nachdem Sie im FranchisePORTAL über den Virtuellen Messestand der Schülerhilfe eine Nachricht an das Franchisesystem geschickt hatte, reagierte eine Mitarbeiterin aus der Systemzentrale sofort. Das fand sie toll. Andere Franchisesysteme reagierten erst nach zwei oder drei Wochen: „Die brauchten sich dann auch nicht mehr bei mir zu melden“ stellt sie fest. Marion Lauterbach, Leiterin Geschäftsentwicklung und PR Franchise innerhalb der Systemzentrale, ist ebenfalls zur Neueröffnung gekommen und erklärt mir, dass Sie schon häufiger die Erfahrung gemacht habe, wie wichtig eine kurze Reaktionszeit für Franchise-Interessenten häufig ist.“

Lange Reaktionszeiten auch im Franchising leider keine Ausnahme

Dass es sich bei den langen Reaktionszeiten nicht nur um Ausnahmen handeln kann, zeigt sich in unserem Alltag als führende Internetplattform zum Thema Franchising im deutschsprachigen Raum mindestens wöchentlich. Denn dann rufen enttäuschte Interessenten bei uns an und erkundigen sich, warum sich denn das Franchise-System XY noch nicht bei Ihnen gemeldet habe. Selbst wenn man von dem Fall ausgeht, dass der oder die Bewerberin vom Franchise-System von vornherein als ungeeignet eingestuft wurde – eine höfliche Standard-Absage zu verschicken, die irgendwo als Vorlage gespeichert wurde, sollte doch möglich sein.

Und natürlich auch der umgekehrte Fall: man stelle sich vor der ultimative Wunsch-Kandidat vieler Franchise-Systeme (hoch motiviert, Management-Qualitäten, aufgrund entsprechender Berufskarriere entsprechend hohes Eigenkapital, etc.) stellt seine Anfrage und es passiert – nichts. Nicht nur die Dame, die in dem Bericht von meinem Kollegen zu Wort kommt, sortiert genau diese Systeme gleich kategorisch aus. Dies kann ich durch zahlreiche Interviews, die ich mit Franchise-Nehmern und -Nehmerinnen geführt habe, bestätigen. Immer wieder wurde mir berichtet, dass es viel zu lange dauerte, bis eine Reaktion kam und man dann schon längst Interesse an einem anderen System hatte mit dem es auch schließlich zum Vertragsabschluss kam.

Die grundlegende Annahme, Franchise-Systeme, die sich viel Zeit lassen, auszusortieren, ist folgende: Wer bereits bei der Rekrutierung schludert, der tut dies wahrscheinlich auch in allen anderen Bereichen. Ein K.O.-Kriterium, wenn es um ein sensibles Thema wie eine Existenzgründung geht. Wer sich für eine Franchise-Partnerschaft interessiert, der ist auch an einem gewissen Maß an Betreuung interessiert – eben an einer Selbstständigkeit, bei der man nicht völlig auf sich alleine gestellt ist. Eine entsprechend freundliche und zügige Kommunikation besonders am Anfang aber auch fortlaufend in der Franchise-Partnerschaft ist also erstrebenswert.

Lösungen für eine bessere Kommunikation mit Franchise-Interessenten

Viele Franchise-Systeme haben eine entsprechende Mail und eine Broschüre mit weiterführenden Informationen zu einer Franchise-Partnerschaft vorbereitet. Dies soll möglichst direkt nach der Kontaktaufnahme des Interessenten versendet werden. Kunden des FranchisePORTAL können beispielsweise diese Broschüre als PDF bei uns hinterlegen, so dass sie direkt versandt wird, wenn eine Anfrage eingegangen ist. Manche Franchise-Systeme bevorzugen auch den direkten persönlichen Kontakt und rufen die Interessenten an – wer sich das vornimmt, sollte natürlich immer ein entsprechendes Zeitfenster im Arbeitsalltag einkalkulieren.

Die Agentur rückenwind forderte letztes Jahr anonym 244 Broschüren an und werteten diese aus – auch im Hinblick auf Reaktions- und Versandzeiten. Hier kann man den Beitrag über die Studie noch einmal lesen. In diesem Fall wurden nur zehn Prozent der Broschüren später als nach drei Werktagen versendet. Kein schlechter Schnitt. Man kann jedoch davon ausgehen, dass die Marketing-Agentur vor allem die großen und bereits sehr gut etablierten Franchise-Marken angeschrieben hat. Vor allem bei einigen jungen und/oder kleinen Franchise-Systemen ist in Sachen Reaktionszeit und Qualität des Feedbacks bestimmt noch Luft nach oben.

Ein Praxiswissen aus dem FranchisePORTAL greift das Thema der richtigen Kommunikation im Franchise-System ebenfalls auf.

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