Immer weniger Existenzgründer: anhaltender Abwärtstrend

2016-0610-Abwaerts_500px

Existenzgründungen im Abwärtstrend

Der neue, jährlich erscheinende KfW Gründungsmonitor belegt, was in der Franchise-Wirtschaft schon lange spürbar ist: Die Zahl der Existenzgründer in Deutschland ist in 2015 weiter massiv zurückgegangen. 17 Prozent weniger Gründer als noch im Vorjahr meldet die KfW. Und betont, dass dafür die Qualität der Gründungen steige.

Eine mehr als stabile Wirtschaftslage, rückläufige Arbeitslosenzahlen und zufriedene Angestellte. Das sind natürlich keine schlechten Nachrichten. Und es ist somit die logische Konsequenz, dass es aktuell weniger „Notgründungen“ gibt. Als Notgründung bezeichnet die KfW die Gründungen, bei denen die Existenzgründer angaben sich selbstständig zu machen, weil keine andere Erwerbsalternative bestand. Beim derzeitigen Arbeitsmarkt muss die Zahl also natürlich abnehmen. Um genau zu sein ist die Zahl dieser Art Gründungen sogar um 28 Prozent zurückgegangen.

Die KfW zieht dennoch ein positives Fazit:

„Deutlich geringer fällt der Rückgang bei volkswirtschaftlich bedeutsameren Gründergruppen aus. Chancengründer können sich der Entwicklung zwar nicht entziehen, ihr Rückgang auf 377.000 (-15 %) ist aber weniger stark. Die Zahl innovativer Gründer steigt sogar auf 95.000 (+6 %) leicht an. Dies spricht dafür, dass das Gründungsgeschehen 2015 strukturell an Qualität gewonnen hat.“

Es machen sich also die Menschen mit innovativen Ideen selbstständig, die es ohnehin tun würden – völlig unabhängig von der aktuellen Wirtschaftslage. Dabei geht hier ein wenig unter, dass auch die sog. Chancengründer ebenfalls deutlich zurückgegangen sind. Als Chancengründer bezeichnet die KfW Gründer, die angegeben haben, eine gute Geschäftsidee ausnutzen zu wollen.

Problematisch für die (Franchise-)Wirtschaft

Genau hier liegt das Problem, mit dem die Franchise-Wirtschaft zu kämpfen hat: Franchise-Nehmer zu finden. Nämlich Menschen, die sich von einer guten Geschäftsidee begeistern lassen und auf diesem Weg die Chance nutzen der eigene Chef zu werden.

Diesen anhaltenden Abwärtstrend in Sachen Existenzgründung in Deutschland immer wieder damit zu rechtfertigen, dass die Qualität der Gründungen aber steige, ist ein Trugschluss. Zum einen labelt die KfW die von ihnen benannten „Notgründungen“ als qualitativ minderwertig und damit geringbedeutend für die deutsche Wirtschaft. Zum anderen macht es den Eindruck, dass der ebenfalls deutliche Rückgang der Chancengründer möglichst „unter den Teppich gekehrt“ werden soll.

Eine gesunde Gründerkultur lebt nicht alleine von innovativen Start-Ups im großen Stil. Im Gegenteil, Menschen, die mit dem Gedanken spielen sich selbstständig zu machen, sollten informiert und ermuntert werden, ihre Gründung gut geplant anzugehen. Der DFV formuliert es in seinem Blog so:

„Sicher, Deutschland braucht mehr Unternehmensgründungen, das liegt auf der Hand. Der Ruf nach mehr Startups und innovativen Gründungsideen wird das derzeitige Minus bei den Unternehmensgründungen allein kaum ausgleichen können. Um dem oft zitierten „Gründerland Deutschland“ mehr Inhalt zu verleihen, bedarf es endlich praktischer Maßnahmen und einer bereits seit langem durch den DFV geforderten fruchtbaren Gründungskultur in Deutschland.“

Für die Franchise-Wirtschaft wird es in absehbarer Zeit nicht einfacher werden, passende Franchise-Nehmer zu finden. Die richtige Ansprache derer, die eine Existenzgründung als Franchise-Nehmer in Erwägung ziehen, wird daher umso wichtiger. Hier hat so manches Franchise-System noch Nachholbedarf – zum Beispiel mit entsprechender Präsenz im Internet, speziellen Informationen für Franchise-Interessenten (und nicht für Kunden) oder einer zügigen Reaktion auf Nachfragen von potentiellen Partnern.

Kategorisiert in: ,