Interview: Neue Studie zu Social-Media-Auftritten von Franchise-Systemen und ihren Partnern

Social Media Franchise

Neue Studie zur Social media Nutzung von Franchise-Systemen und -Partnern

Vor kurzem bin ich im Netz über diesen Beitrag gestolpert, der von einer Studie handelt, die von webZunder zum Thema Social Media und Franchise-Systeme erstellt wurde. Ich wurde natürlich gleich hellhörig, da wir uns ja schon oft diesem Thema inkl. seiner besonderen Schwierigkeiten im Hinblick auf die Social Media Auftritte der Franchise-Systeme und der einzelnen Franchise-Partner gewidmet haben. Dirk Spannaus ist der Geschäftsführer bei webZunder und hat sich (trotz dmexco) Zeit genommen unsere Fragen zu beantworten.

 

Interview mit Dirk Spannaus, Geschäftsführer bei webZunder

Dirk Spannaus

Dirk Spannaus, webZunder

 

Wie haben Sie eigentlich die 67 Franchise-Systeme ausgewählt, die Teil Ihrer Studie geworden sind?

Wir haben uns Franchise-Firmen aus den verschiedensten Branchen herausgesucht. So haben wir sowohl Unternehmen aus dem Einzelhandel, der Systemgastronomie aber auch aus der Finanzberatung untersucht.

 

Was ist Ihre Vermutung, warum nur ein Bruchteil der Franchise-Nehmer online aktiv ist?

Franchise-Nehmer sind oft kleine Unternehmen. Es geht ihnen wie vielen anderen Inhabern kleinerer Firmen: Es ist wenig Zeit vorhanden und es fehlen oft das notwendige Know-how, gute Texte und Bilder, um einen professionellen Auftritt einzurichten. Wer schon losgelegt hat, merkt schnell, dass es Aufwand verursacht, passende und gute Inhalte zu produzieren.

 

Gibt es hier vielleicht Einschränkungen von Seiten des Franchise-Gebers?

Es gibt ziemliche Unterschiede, wie Franchise-Geber und Franchise-Nehmer das Thema Marketing generell geregelt haben. Teilweise wird durch die Zentrale stark reguliert: Ein Beispiel dafür ist die Finanzbranche, bei denen die “Compliance” sehr wichtig ist. Es muss gut überlegt werden, welche Aussagen getroffen werden dürfen und wie diese formuliert werden sollen.

In anderen Unternehmen sind Franchise-Nehmer sehr selbständig und eigenverantwortlich unterwegs. Traditionell unterstützen Franchiseunternehmen ihre Partner im Bereich Marketing mit unterschiedlichen Maßnahmen. Jetzt ist es an der Zeit, dass Franchise-Geber überlegen, wie sie ihre Partner auch im Bereich Online und Social Media optimal unterstützen – damit der Aufwand auch den erwarteten Nutzen erzielt.

 

Für wie sinnvoll halten Sie die Präsenz auf Facebook, Twitter und Google+ für a) Franchise-Systeme allgemein und b) die einzelnen Franchise-Nehmer?

Das hängt stark von der jeweiligen Branche ab. Bei Geschäften mit Laufkundschaft spielt es eine wichtige Rolle, dass die Franchise-Partner bei Kundenrecherchen schnell gefunden werden. Wichtig sind hier insbesondere Kartendienste und Verzeichnisse. Bei beratend tätigen Franchise-Unternehmen spielt die die Vermittlung der eigenen Kompetenz eine wichtige Rolle – und das schon vor dem ersten Kundenkontakt. Dieser will heute verdient sein: Als Kunden recherchieren wir typischerweise vor dem ersten Anruf. Wir wollen uns zum Thema informieren. Optimal, wenn ich darüber gleich einen möglichen Berater kennenlerne. Social Media wirkt dabei als eine Art Verstärker und unterstützt die langfristige Vernetzung mit Kunden und Interessenten. Je stärker die Persönlichkeit des lokalen Partners eine Rolle für die Kaufentscheidung spielt, desto eher sollte er auch einen eigenen Social Media Auftritt vor Ort haben. Social Media ist eigentlich eine sehr persönliche Sache – Kommunikation von Mensch zu Mensch. Das ist der große Vorteil für Franchise-Firmen: beziehen Sie Ihre Partner aktiv in die Kommunikationsstrategie ein und setzen Sie nicht allein auf eine starke Marke.

 

Wenn jeder Franchise-Nehmer einzeln für seinen Standort wirbt, wie kann man dann das Chaos vermeiden?

Der Franchise-Nehmer muss sich im lokalen Wettbewerb beweisen. Dabei muss auch nicht die komplette Kommunikation dezentral stattfinden. Wenn es z.B. um Fachartikel geht, dürfen die gern in einem zentralen Auftritt der Marke bereitgestellt werden. Diesen kann z.B. jeder lokale Partner mit einem persönlichen Kommentar in seinem Netzwerk verbreiten. Für seine Fans wächst mit jedem guten Beitrag – der durch den Partner kuratiert wird – auch die wahrgenommene Kompetenz. Die Zentrale unterstützt so mit guten Inhalten beim “personal Branding” des lokalen Ansprechpartners vor Ort.

 

Warum ist lokale (Online-)Präsenz so wichtig (auch) für Franchise-Systeme?

Die lokale Onlinepräsenz sorgt dafür, dass der lokale Partner in den Suchergebnissen potentieller Kunden aus der direkten Nähe besser positioniert wird. Schon seit längerem gewichtet Google lokale Treffer zu Suchanfragen besser als andere. Daraus hat sich mit der lokalen Suchmaschinenoptimierung eine eigene Disziplin im Bereich SEO entwickelt.

Es bedeutet aber nicht, dass nun unbedingt jeder Partner eine ganz eigene Webseite haben muss. Es gibt jedoch heutzutage bessere Ansätze als eine einfache Auflistung der Partner. Wir haben Seiten für Marken aufgebaut, bei denen der Webauftritt jeweils im Namen des zum Kunden am nächsten gelegenen Partners erscheint.

 

Wie können Ihrer Meinung nach Franchise-Systemzentralen ihre Franchise-Nehmer ideal unterstützen?

Franchise-Geber sollten beim Einstieg unterstützen. Es macht wenig Sinn, dass sich jeder einzelne Partner mit der Einrichtung von Profilen und Verzeichniseinträgen auseinandersetzt. Das ist ein einmaliger Aufwand – notwendige Änderungen können dann oft auch selbst vorgenommen werden. Wir haben dazu einige Erfahrung im Bereich kleiner und mittelständischer Unternehmen aufgebaut, von denen auch Franchise-Firmen profitieren können.

Im Alltag sollten Systemzentralen darauf achten, dass Ihre Partner wenig Aufwand haben und ihren Auftritt sehr einfach pflegen können. Dabei unterstützen wir mit webZunder. Über die Lösung haben die Partner ihren Auftritt im Griff und Zugriff auf zentral bereitgestellte Medien. Franchise-Geber können diese professionell produzieren und sorgen damit gleichzeitig auch für die Umsetzung der Corporate Identity. Es können auch Kampagnen entwickelt werden, bei denen zentrale Themen gesetzt und die lokalen Präsenzen mit eingebunden werden. Da ergeben sich ganz neue kreative Möglichkeiten.

Eine weitere sinnvolle Ergänzung – insbesondere bei beratungsintensiven Themen – wäre die Unterstützung durch Experten. Der könnte auf Knopfdruck angefordert werden und bei schwierigen Kundenanfragen direkt in die Kommunikation mit einsteigen.

 

Welche sozialen Netzwerke sehen Sie in Zukunft vorne? Welche Bedeutung haben z.B. Instagram, Whatsapp, Pinterest oder Snapchat für KMU, wie es die meisten Franchise-Systeme im deutschsprachigen Raum sind?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten: Es kommt immer darauf an, welche Zielgruppe ein Unternehmen hat. Dabei unterscheidet sich der Immobilienberater – vermutlich – recht deutlich vom Skateboard Shop. Wichtig ist es vor allem loszulegen, sich ggf. einen Partner zu suchen, um den Start vorzubereiten und Sachen auszuprobieren. Das Thema bleibt auch nach dem Start lebendig.

Welche Netzwerke von kleinen und mittelständischen Unternehmen genutzt werden, hängt neben der Zielgruppe auch mit dem dafür notwendigen Zeitaufwand im Alltag zusammen. Videos zu produzieren, ist für viele von uns aufwendiger und mit einer höheren Hemmschwelle verbunden, als zu fotografieren oder kleine Texte zu formulieren.

Einfach formuliert: Anbieter sollten am Besten da sein, wo sich ihre Kunden und Interessenten aufhalten. Bei den klassischen sozialen Netzwerken kann ggf. eine größere Reichweite erzielt werden, als bei neuen Netzwerken. Dafür funktionieren diese aber im individuellen Fall vielleicht besser, wecken mehr Aufmerksamkeit und steigern die Interaktion.

Was wir in Deutschland aktuell feststellen, ist eine verstärkte Nachfrage nach Instagram. Whatsapp ist weit verbreitet, die kommerzielle Nutzung durch den Anbieter jedoch offiziell nicht erlaubt – allenfalls geduldet. Snapchat ist sicher der große Aufsteiger der genannten Dienste, jedoch noch in einer frühen Phase für die kommerzielle Nutzung durch kleine und mittelständische Unternehmen. Es sind aktuell eher große Brands, die sich damit ausprobieren. Sollte kein dringender Grund dafür sprechen – z.B. für den genannten Skateboard Shop – darf mit dem Einsatz bei Finanzberatern sicher noch gewartet werden. Ausnahmen bestätigen dabei die Regel.

 

Interview-Partner:
Logo webZunderDirk Spannaus ist einer der Gründer und Geschäftsführer der twentyZen GmbH. Sein Team entwickelt das Social Media Werkzeug webZunder.com, welches das Online Marketing von kleinen und mittelständischen Unternehmen vereinfacht. Mit individuellen Erweiterungen können so auch Franchiseunternehmen ihren Partnern Unterstützung bieten. Hier gibt es mehr Informationen zu der Studie.

Telefon: +49 351 7999 5015
Email: dirk.spannaus@webzunder.com

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