Gründungen: Lehrer raten ihren Schülern davon ab

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Lehrer raten Schülern von Gründungen ab

Eine Studie hat gerade bewiesen, dass Lehrer nicht gerade gründungsfreundlich sind. Nun gut, man hätte das bei einem Berufsstand ahnen können, deren Mitglieder sich selbst ganz bewusst für eine Beamtenlaufbahn entschieden haben, oder diese anstreben. Alles gut und schön, schließlich ist nicht jeder der so oft genannte „Unternehmertyp“ und muss es auch nicht sein. Schon gar nicht in Zeiten, in denen es der Wirtschaft so gut wie lange nicht mehr geht und die sogenannten „Notgründungen“ kaum noch relevant sind.

 

Zwei Drittel der Lehrer raten Schülern von Gründungen ab

Den eigenen Schülern jedoch konkret von einer Gründung abzuraten, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Laut der bitkom-Studie, die zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Aris erstellt wurde,

würden 64 % der befragten Lehrer ihren Schülern davon abraten nach der Ausbildung ein Unternehmen zu gründen.

Es gibt viel am deutschen Schulsystem zu verbessern und zu modernisieren – ganz sicher nicht nur in Hinsicht auf das Thema Wirtschaftswissenschaften. Dass Unternehmerverbände jeglicher Art bemängeln, dass nicht genug Interesse in Wirtschaftsfragen und Gründungskultur geweckt wird, ist da nur logisch.

Es besteht jedoch ein Unterschied darin, ob Wirtschaft und Existenzgründung nur nicht auf dem Lehrplan stehen, oder ob die Lehrer persönlich davon überzeugt sind, dass es wenig bis keinen Sinn mache, dies den Schülern und Schülerinnen zu vermitteln.

Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsleitung Start-ups Bitkom e.V., sagt treffend zu den Studienergebnissen:

„Schule muss unternehmerisches Denken vermitteln, wenn wir es in Deutschland mit einer Gründungskultur ernst meinen. Und Schule muss Raum für Kreativität schaffen und Wege zeigen, Probleme und Herausforderungen unternehmerisch anzugehen (…) Eine Start-up-Kultur hängt nicht nur von Lehrplänen ab, die Lehrer müssen diese auch engagiert vermitteln. Daran hapert es derzeit ganz offensichtlich.“

Hoffnung für die Gründungskultur?

Immerhin: 24 Prozent der befragten Lehrer würden eine Gründung empfehlen. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Gruppe weiter wächst und Angebote für Nachwuchs-Gründungswettbewerbe, Planspiele und Ähnliches gerne in den Lehrplan integriert. Diese Angebote gibt es nämlich durchaus.

Auch Vorbilder könnten gut in den Unterricht eingebunden werden – ist die Gründungsgeschichte von Facebook nicht bereits als Hollywood Blockbuster verfilmt worden? Man kann Unternehmertum und Gründungskultur spannend und modern vermitteln, das sollte außer Frage stehen.

Natürlich muss nicht jeder Gründer ein Mark Zuckerberg oder Steve Jobs sein, um erfolgreich selbstständig sein zu können. Auch das sollte Schülern und Schülerinnen vermittelt werden. Franchising kann eine gute Möglichkeit für Gründungen aller Art sein, ohne das Rad neu erfinden zu müssen. Wie realistisch solche Hinweise im Unterricht sind, sei natürlich anhand der hier vorgestellten Studienergebnisse dahingestellt.

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