Diskussion: Spiegel und ARD äußern Pauschalkritik am Franchising

Kritik am Franchising

Die Kritik wirkt unberechtigt- aber die Diskussion zeigt interessante Fragen auf

Jüngst veröffentlichte der Spiegel einen Artikel mit dem Titel „Die Franchise-Falle“, der umgehend die Gemüter in der Franchise-Wirtschaft erregte. In der uns vorliegenden Ausgabe 36/2013 (der volle Artikel ist nicht online, nur ein sehr knapper Teaser) wird der auf Franchising spezialisierte Anwalt Dr. Christian Prasse zitiert:

„Pleitegegangene Franchise-Nehmer stünden im Durchschnitt vor einem Schuldenberg von 250 000 Euro, sagt Christian Prasse, Rechtsanwalt im schleswig-holsteinischen Ahrensburg. Der GesamtschadendurchInsolvenzen betrage in Deutschland „zurückhaltend geschätzt 500 Millionen Euro im Jahr“. Rund 4000 Rechtsstreitigkeiten seien derzeit bei etwa 60 auf die Branche spezialisierten Anwälten anhängig.“ (Spiegel, Ausgabe 36/2013, Seite 74f.)

Zweifelhafte Datengrundlage

Aufgrund des Artikels ist im Forum ‚Franchise Business Club‘ auf Xing unter dem Titel „Der Spiegel berichtet negativ über Franchising“ eine heftige Diskussion entbrannt. Während sich der Deutsche Franchise-Verband e.V. (DFV) nicht zu Wort meldete, wurden die veröffentlichten Zahlen von verschiedenen Vertretern der deutschen Franchise-Wirtschaft in Zweifel gezogen oder als nicht plausibel zurückgewiesen. So schreibt beispielsweise Felix Peckert von der Bonner Peckert Gruppe:

„Die Zahlenwelten kommen aus der Feder des initiierenden Rechtsanwalts und sind tatsächlich erstaunlich hoch. Leider fehlen Belege und Vergleiche mit anderen Zahlen. Wie hoch ist z.B. der Schaden aus normalen Insolvenzen? Wie hoch ist der Schaden, der in anderen Wirtschaftszweigen z.B. wegen Fehlberatung oder falsche Expansion entsteht. Ich glaube, dass die 500 Millionen im richtigen Licht auch sehr klein wirken können.
Vorstellen kann ich mir allerdings, dass 60 (nicht spezialisierte) Anwälte irgendwie 4.000 Franchise-Fälle auf dem Tisch haben. Viele dieser „Fälle“ werden jedoch unspektakulär und ohne größeren Schaden für den einen oder den anderen über die Bühne gehen.(…)“

Statistik unbekannt

Ulrich Kessler, Geschäftsführer des FranchisePORTAL (und nicht Unternehmensberater, wie der Spiegel fälschlicher Weise schreibt), äußert sich unter anderem wie folgt:

„Mir ist keine Statistik bekannt, welche die Zahl der Rechtsstreitigkeiten, der Insolvenzen oder des Gesamtschadens im Franchising auch nur ansatzweise erfasst. Dies ist zweifellos ein Manko und sollte durch ein neutrales Institut behoben werden! In diesem Zusammenhang ist mir ein Rätsel, wie der für seinen investigativen Journalismus bekannte SPIEGEL die Aussage von RA Christian Prasse (Der Gesamtschaden durch Insolvenzen betrage in Deutschland „zurückhaltend geschätzt“ 500 Millionen Euro im Jahr) ohne Bezugnahme auf eine seriöse Datengrundlage und damit offenbar ungeprüft übernehmen konnte.(…)“

Objektive Studien über das Franchising?

Der Unternehmensberater Peckert äußerte hingegen Verständnis für den heftig kritisierten Redakteur und zeigte sich wenig optimistisch, dass bei einer Überprüfung vollkommen andere Zahlen herauskommen würden:

„Und ich empfehle nun allen größtmögliche Zurückhaltung. Das Ergebnis einer objektiven Studie ist nicht nur sehr teuer herzustellen – es wird hier auch keinen zufriedenstellen. Das ergaben meine ersten Testläufe, die ich hier weder diskutieren noch weiter verfolgen möchte.“

Dass man von Franchising lieber die Finger lassen solle, suggeriert auch ein ARD-Beitrag des mittagsmagazins vom 12. September 2013. Die ARD-Mediathek betitelt die kurze Reportage „Vorsicht vor Franchise-Verträgen“. Der Beitrag beleuchtet das Schicksal eines insolventen Franchise-Gründers. Problematisch an dieser Reportage und auch an dem Artikel des Spiegels ist die Art und Weise, mit der bedauerliche Einzelschicksale als exemplarisch für die gesamte Franchise-Wirtschaft dargestellt werden.

Insolvenz bei Franchise-Gründung: Eher Ausnahme als Regel

Dass die Insolvenz eines Franchise-Gründers nicht auszuschließen, aber eben auch nicht die Regel ist, zeigt eine Studie des F&C Internationales Centrum für Franchising und Cooperation von 2012. In einem Auszug der Studie heißt es:

Franchise-Gründer sind im Durchschnitt der hier betrachteten Gründungskohorten nach einem Jahr noch zu 94% nicht aus dem System ausgeschieden, bei unabhängigen Gründungen sind dagegen nach einem Jahr nur noch ca. 85% der Unternehmensgründer aktiv. Zwei Jahre nach der Gründung sind auf Seiten der Franchisenehmer noch 90% im System aktiv, während es bei den „allgemeinen“ Unternehmensgründern lediglich 75% sind. Drei Jahre nach der Gründung sind im Durchschnitt noch 83% der ursprünglichen Gründungskohorte im Franchising aktiv – bei allgemeinen Gründungen sind dies lediglich 68%. Die Quote ändert sich auch im 4. Jahr nach Gründung für die Franchise-Gründung nicht mehr wesentlich.“

Franchise-Gründungen sind – entgegen der polemischen Zuspitzung im Spiegel – kein „Glücksspiel“, sondern in der Regel erfolgreicher als Existenzgründungen ohne System. Ein Titel wie „Die Franchise-Falle“ setzt Franchise-Geber dem Generalverdacht mangelnder Seriosität aus. Für die seriöse Mehrheit unter den Franchise-Gebern ist solch ein Pauschalurteil nicht nur beleidigend, sondern auch geschäftsschädigend.

Debatte innerhalb der Franchise-Wirtschaft

Nun hat dieser Blog-Beitrag nicht das Ziel, die zum Teil in persönliche Angriffe abgleitende Diskussion im ‚Franchise Business Club‘ auf den Franchise-Treff zu verlagern oder gar weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Vielmehr möchten wir auf eine interessante Diskussion innerhalb der Franchise-Wirtschaft aufmerksam machen, die unterschiedliche Wege aufgezeigt hat:

  • die Pauschalkritik aussitzen und hoffen, dass sich der Imageschaden in Grenzen hält,
  • an Stellschrauben wie Auswahl und Betreuung der Partner drehen, um die Zahl der Insolvenzen kontinuierlich zu senken,
  • die Öffentlichkeitsarbeit verbessern, um für eine objektivere und sachlichere Berichterstattung in den Medien zu sorgen,
  • Studien bei neutralen Instituten initiieren, um haltlose Zahlen und polemische Interpretationen zu widerlegen.

Welche Konsequenzen würden Sie ziehen? Wir sind auf Ihre Vorschläge und Kommentare gespannt.

 

 

 

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