Chancen und Risiken einer Selbstständigkeit im Einzelhandel

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Der Einzelhandel kann für Existenzgründer eine Chance oder ein Risiko bedeuten

Der Einzelhandel stellt für viele Existenzgründer eine attraktive Branche dar. Denn genau so stellen sich viele die Selbstständigkeit vor: ein eigenes Ladengeschäft betreiben und täglich mit Kunden in Kontakt sein. Und das Feld des Einzel- und Fachhandels ist ja weit gefächert. Ob Mode, Feinkost oder Kosmetik – der Einzelhandel hat viele Gesichter. Doch nicht zuletzt auf Grund des stark wachsenden Onlinehandels, hat der Einzelhandel zu kämpfen.

Probleme des modernen Einzelhandels

Natürlich machen die meisten Menschen nach wie vor gerne einen Stadtbummel. Aber wer hat noch nicht den praktischen Service diverser Onlineshops genutzt, wenn die Zeit knapp ist, man sich den Weg in die Innenstadt sparen möchte oder ein Schnäppchen machen will. Hier liegt ein großes Problem, mit dem die klassischen Fußgängerzonen und die dort ansässigen Fach- und Einzelhändler zu kämpfen haben.

Das Institut für Handelsforschung Köln (IFH) verkündete kürzlich, dass der Onlinehandel weiterhin kräftig wächst. Laut dem „Handelsszenario 2020“ nehmen die Umsätze und Aktivitäten im virtuellen Raum deutlich zu, wohingegen der klassische Einzelhandel nur sehr verhalten wächst. So gab es 2013 ein deutliches Plus von 12 Prozent im Onlinehandel, im Einzelhandel war es nur ein Plus von einem Prozent. Und auch eine aktuelle Umfrage der IFH Köln untermauert diesen Trend: jeder dritte Verbraucher gab in der Umfrage an, Fahrten ins Stadtzentrum zu Gunsten des Onlinehandels reduziert zu haben.

Probleme außer dem Onlinehandel

Doch der florierende Onlinehandel ist nicht alleine verantwortlich für den rückläufigen Einzelhandel in den Städten. Auch Outletcenter und neue Einkaufszentren, die „auf grüner Wiese“ in der Nähe gewachsener Innenstädte und Fußgängerzonen gebaut werden, ziehen Publikum ab. Zudem können je nach Stadt und Verkehrssituation auch das Parken bzw. die Anreise zum abschreckenden Faktor werden. Hier sind die Städte und Kommunen gefragt bessere Konzepte und zusätzlichen Parkraum zu schaffen.

Und nicht zuletzt haben sich auch schlichtweg die Lebensumstände in den letzten Jahrzehnten völlig verändert. Vor allem die kaufkräftige Kundschaft geht ganz- oder halbtägig arbeiten – da bleiben die Geschäfte unter der Woche am Vormittag immer öfter leer. Diese Ausfälle können nicht immer mit einem (zu) vollen Samstag kompensiert werden.

Chancen sehen und ergreifen – auch mit Franchising

Aber viele Menschen kaufen nach wie vor gerne vor Ort ein. Es gibt genug Punkte, die für den Kauf im Ladengeschäft sprechen: hier kann man anfassen, ausprobieren und die Ware direkt mitnehmen. Auch bei beratungsintensiven und erklärungsbedürftigen Produkten ist die Beratung im Einzelhandel wichtig. In diesem Punkt könnte der Einzelhandel vielleicht noch zulegen, leider gilt Deutschland noch immer als Servicewüste und das oftmals nicht ganz zu Unrecht. Ganz dem Servicegedanken entsprechend, könnte der Einzelhandel beispielsweise anbieten, gekaufte Produkte nach Hause zu liefern. Vor allem bei größeren Mengen oder sperrigen Produkten würde dies Sinn machen und einen großen Vorteil des Onlineshoppings aufgreifen.

Auch ein umgekehrter Trend ist in Großstädten zu beobachten: erfolgreiche Onlineshops eröffnen Geschäfte. Ein Ladengeschäft ist für viele Marken ein Imagefaktor und so sind es meist Flagshipstores, die von den bekannten Online-Marken eröffnet werden.

Onlineshops mit Flagshipstores

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Mehr Statistiken finden Sie bei Statista.

Franchising als Pluspunkt im Einzelhandel

In der aktuellen Ausgabe FranchiseERFOLGE werden vier Franchise-Nehmer präsentiert, die sich im Einzelhandel behaupten. Sie berichten von ihren Erfahrungen mit den jeweiligen Franchise-Systemen. Die Portraits belegen, dass Franchising für die Probleme des Einzelhandels (Onlinekonkurrenz, Outletcenter, etc.) einen Ausgleich schaffen kann, zum Beispiel durch eine starke Marke und überregionale Werbung.

Zudem gilt das Prinzip „viele Wege führen nach Rom“. Dank Multi-Channeling können Einzelhändler mit einem Onlineshop profitieren. Viele Kunden stöbern mittlerweile online, kommen aber zum Kauf ins Geschäft – oder umgekehrt. Denn die Kundschaft ist durchaus auf das Thema sensibilisiert: die meisten haben mitbekommen, dass der Fach- und Einzelhandel leidet, und reagieren immer häufiger entsprechend. Es gibt einen wahrnehmbaren Trend zu kleineren, persönlichen Läden und weg von den Megastores der 90er Jahre. Persönlichkeit und Wiedererkennen werden wieder wichtiger und schaffen eine emotionale Bindung zwischen Inhaber und Kunden. Hier gibt es einen weiteren Pluspunkt für das Franchising, denn Franchise-Betriebe sind inhabergeführt und können so Nähe zum Kunden herstellen.

Vergleich von Online- und Einzelhandel

Dieser Test der WDR Servicezeit testet Onlinehandel und Einzelhandel – mit überraschendem Ergebnis:

Sorry, Video ist mittlerweile nicht mehr verfügbar 🙁 (Anm. d. Redaktion, 30.06.2016)

Praxisbeispiel aus dem Franchising

Und auch im Franchising gibt es Beispiele für Einzelhandels-Systeme, die gleichzeitig Onlineshops betreiben, zum Beispiel Vom Fass oder TeeGschwender. Hier stellt sich natürlich die Frage, wer an den Onlineshops verdient, und ob dies nicht zum Nachteil für die Franchise-Partner werden kann. Wie immer gibt es nicht nur „schwarz und weiß“ und so gibt es auch Lösungen für dieses Problem, zum Beispiel indem die Partner an den Gewinnen durch den Onlineverkauf beteiligt werden. Ich habe hierüber mit der Online-Marketing-Managerin Carina Büchele von dem Franchise-System Vom Fass gesprochen und einen Einblick bekommen.

Verena Iking: Welche Regelung hat Vom Fass für die Onlineshops gefunden?

Carina Büchele: Alle unsere Franchise-Partner haben eine eigene Webseite (Partnerseite) mit den jeweiligen URLs musterstadt.vomfass.de. Wenn Online-Einkäufe über die Partnerseite getätigt werden, wird zwei Mal im Jahr ein gewisser Prozentsatz (zweistellig) an Provision vom Einkaufswert an den Partner ausgeschüttet.

Verena Iking: Werden die Franchise-Partner am Gewinn beteiligt, der über den allgemeinen Onlineshop generiert wird?

Carina Büchele: Wir stehen mit unserem Online-Shop noch ganz am Anfang. Es gibt grobe Pläne den Gewinn später in den Marketingpool fließen zu lassen.

Verena Iking: Vielen Dank für diesen interessanten Einblick in die Praxis!

 

 

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