Arbeitswelt und Studium des Franchisemanagers

Hinter jedem erfolgreichen Franchisesystem steht eine Systemzentrale, die mit einem Team qualifizierter Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in vielfältiger Art und Weise für den Erfolg der Franchisepartner arbeitet. Aber was zeichnet den erfolgreichen Franchisemanager aus – und wo bekommt er die Qualifikation für diese Aufgabe ?

Ein Franchisemanager ist im weiteren Sinne der „Co-Manager“ der Franchisenehmer. Er muss eine Vielzahl von Aufgaben planen, organisieren und überwachen und dabei die Interessen des Franchisegebers praxisnah umsetzen und gleichzeitig die Motivation der Franchisenehmer erhalten und fördern. Er muss in der Lage sein, alle Entwicklungsphasen der einzelnen Partnerbetriebe durch praxisgerechte und individuelle Hilfestellungen zu begleiten, da der Franchisenehmer sonst die Vorteile der Systemzugehörigkeit nicht mehr wahrnimmt und seine Motivation verliert.

Die Arbeitsteilung zwischen dem Franchisegeber und seinen Franchisepartnern ist ein Teil der Erfolgsformel und hat eine eigene Logik. In der Systemzentrale werden alle Aufgaben bewältigt, die von übergeordneter Bedeutung für das Franchisesystem sind und für die eine strukturierte Organisation notwendig ist. Der Franchisenehmer kann sich dadurch auf seine Kunden konzentrieren und wird von zahlreichen Routinearbeiten entlastet, um die er sich als „Einzelkämpfer“ kümmern müsste. Der laufende Informationsaustausch, die Betreuung der Franchisepartner vor Ort und die systematische Weiterentwicklung des Geschäftskonzepts ist das Ziel und der rote Faden dieser Arbeit.

Die Tätigkeit als Franchisemanagers ist geprägt durch das Arbeiten auf einer funktionalen und einer emotionalen Ebene. Funktional bedeutet mit harten Fakten wie Umsatz, Deckungsbeiträgen, Kostenstrukturen und Produktivität die wirtschaftliche Entwicklung steuern. Hier ist der Pragmatiker gefragt, der mit dem einzelnen Franchisepartner für eine gemeinsame Sache kämpft. Die emotionale Ebene dagegen betrifft Aspekte wie Image, Motivation oder unternehmerische Perspektive. Für diese Aufgabe ist er Missionar, Coach und persönlicher Weggefährte für den Franchisenehmer. Dabei müssen grundsätzlich zwei Zeitebenen in Einklang gebracht werden. Einerseits die langfristige Sicherung der überregionalen Marktchancen durch Innovationen und Wachstum des Franchisesystems. Andererseits müssen die kurzfristigen operativen Ziele an möglichst jedem Standort erreicht werden. Diskussionen zwischen Systemzentrale und dem einzelnen Franchisenehmer bleiben dabei naturgemäß nicht aus.

Im Prinzip sind es immer die gleichen Aufgaben des Franchisemanagements, allerdings bilden die Profile der Franchisenehmer ein breites Spektrum durch alle Branchen und spiegeln sich in unterschiedlichen Betriebsgrößen wider. Ein Franchisenehmer, der zusammen mit einer Aushilfskraft seine Existenz betreibt, braucht erfahrungsgemäß eine andere Art Unterstützung durch die Systemzentrale als eine Investorengemeinschaft, die als Franchisepartner ein Hotel oder einen Gastronomiebetrieb mit 50 Mitarbeitern bewirtschaftet. Im Laufe der Jahre ist die Erkenntnis gewachsen, das zum langfristigen Erfolg eines Franchisesystems eine professionell geführte Systemzentrale gehört, die von Mitarbeitern geführt wird, die mit den Besonderheiten des Franchising umfassend vertraut sind.

Vor diesem Hintergrund entwickelte ich in den Jahren 1998 / 1999 federführend, zusammen mit der Wirtschaftakademie Schleswig-Holstein, auf Initiative des DIHK in Bonn den IHK-Zertifikatslehrgang „Franchise-Management“. Dieses berufsbegleitende Qualifizierungskonzept im Gesamtumfang von 240 Unterrichtsstunden war das erste Weiterbildungsangebot für die Franchisewirtschaft in dieser fachlichen Tiefe.

Die hohe Qualität und Praxisnähe der IHK-Weiterbildung wurde immer mit einer dreistufigen Prüfung von der jeweils regional zuständigen IHK begutachtet und mit dem IHK-Zertifikat „Franchise-Management IHK“ bescheinigt. Der erste Lehrgang wurde im Dezember 1999 mit der erfolgreichen Prüfung der zehn Teilnehmer vor der IHK Lübeck abgeschlossen. Es zeigte sich jedoch in den Folgejahren, das die berufsbegleitende Ausbildung einen hohen Organisationsaufwand mit sich brachte und für die Teilnehmer mit erheblichen Reise- und Übernachtungskosten verbunden war.

Seit 2006 bietet die Wilhelm-Knapp-Schule (WKS) in Weilburg die Ausbildung in Vollzeit zum „Franchise-Betriebswirt“ an. Eine abgeschlossene kaufmännische Berufsausbildung und erste Berufserfahrungen sind die Eingangsvoraussetzungen für diesen Berufsweg. In vier Semestern werden die Studierenden mit dem Ziel qualifiziert, verantwortliche Tätigkeiten im Systemmanagement zu übernehmen. Praktikumszeiten, Projektarbeiten in Zusammenarbeit mit Franchisegebern und Exkursionen zu Gründermessen und Fachveranstaltungen fördern die Praxisnähe. Ein zukunftsträchtiges Modell, das den Qualitätsgedanken der Franchisewirtschaft zweifellos fördert.

Bisher habe ich in allen Jahrgängen zu verschiedenen Franchisethemen unterrichtet und bin dabei ausnahmslos engagierten Teilnehmer begegnet, die sich absolut mit dem Thema Franchising identifizieren. Besondere Fähigkeiten wie Fremdsprachen oder berufliche Erfahrungen im Ausland sind bei vielen vorhanden. Mir ist niemand bekannt, der nach dieser Ausbildung von echter Arbeitslosigkeit betroffen war. Die Studierenden der WKS sind – zurecht – die Nachwuchsschmiede der Franchisewirtschaft. Einige meiner Mandanten waren in den letzten Jahren froh, ihre Systemzentrale mit Absolventen dieses Studiengangs zu verstärken. Ich selbst habe bisher mehrfach Praktikanten übernommen und einem Absolventen die komplette Projektleitung für die Etablierung eines jungen Franchisesystems anvertraut – mit besten Erfahrungen.

Die Arbeitswelt des Franchisemanagers ist interessant, vielfältig und zukunftsträchtig und steht in Zeiten unsicherer Arbeitsplätze wie ein Fels in der Brandung.

Wir danken Reinhard Wingral für diesen informativen Gastbeitrag über die Arbeit des Franchisemanagers und entsprechende Ausbildungsmöglichkeiten. Er ist Unternehmensberater mit Spezialisierung auf Franchising und Vorstandsvorsitzender der Global Franchise AG. Seit 1996 ist er in der Hamburger Existenzgründer Initiative (H.E.I.) Ansprechpartner für Franchise-Fragen und unterstützt außerdem die Bürgengemeinschaft Hamburg (BG).

Bild: © Gabriel Blaj | Dreamstime.com

 

 

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