Bericht aus der 1. Nachhaltigkeits-Konferenz

Strategische Ganzheitlichkeit für ein nachhaltiges Wirtschaften

Ein Beitrag von Prof. Veronika Bellone & Thomas Matla, Bellone FRANCHISE CONSULTING GmbH

Zum Thema Nachhaltigkeit gibt es bei Google knapp 8.4 Mio. Einträge. Umfangreich und vielgestaltig präsentiert sich die Thematik. Was nachhaltiges Denken und Handeln umfasst und wie jeder einzelne aktiv werden kann, bleibt oft unklar. Umso wichtiger sind engagierte Initiativen, die Struktur und Klarheit in den begrifflichen Dschungel bringen.

Die 1. Nachhaltigkeits-Konferenz am 31. Mai 2011 im thüringischen Behringen hatte eben diesen Anspruch. Sie wurde von der Europäischen Kommunikations-Akademie für Bildung, Beratung und Projekte e.V. in Hörselberg-Hainichen veranstaltet. Schirmherr war der Landesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen Hessen/ Rheinland-Pfalz/ Saarland e.V., Initiant der Town & Country-Franchise-Geber Jürgen Dawo. An die 80 Personen erschienen im ehrwürdigen Schlosshotel Behringen, das den Rahmen für die Veranstaltung bot. Die Konferenzgebühren kommen dabei ausschließlich gemeinnützigen Projekten rund um Hütschenroda zugute.

Informierend, anregend und Beispiel gebend

Thematisch sehr unterschiedliche Vorträge mit Schwerpunkt Nachhaltigkeit standen auf dem Programm. Einige widmeten sich praxisnah dem nachhaltigen Wirtschaften, andere den sozialen und ökologischen Gestaltungsspielräumen von Unternehmern und Unternehmerinnen, wieder andere der Nachhaltigkeits-Politik oder dem deutschlandweiten Tier- und Landschaftsschutz.

Eine hoch informative Bestandsaufnahme zur traditionellen, wie regenerativen Energiegewinnung und zum weltweiten Energieverbrauch nach Branchen zeigte Prof. Dr. Wesselak, von der Fachhochschule Nordhausen, auf. Es wurde einmal mehr klar, dass nachhaltiges, verantwortungsvolles Handeln und Konsumieren für die Menschheit insgesamt relevant ist. Die Gefahr besteht, dass die aufblühenden Schwellenländer die gleichen Fehler multiplizieren, wie die westlichen Industrienationen es in den Wirtschaftswunderzeiten taten.

Heiko Rittweger, Sprecher des Arbeitskreises Deutschlands Mitte des Bundesdeutschen Arbeitskreises für umweltbewusstes Management (B.A.U.M. e.V.) wies darauf hin, dass der LOHAS-Trend (Lifestyle of Health and Sustainability) eine gesellschaftlichen Bewegung hin zum Mainstream geworden ist.

Beeindruckend waren dann die beiden Vorträge von Markus Heße (Xella Deutschland) und Jürgen Dawo (Town & Country). Beeindruckend, weil sie durch ihre ganzheitlich nachhaltigen Sichtweisen im Unternehmen bestachen.
Die Xella Group Deutschland hat Nachhaltigkeit als oberstes Unternehmensziel definiert und verankert. Sie entwickelt mit so bekannten Marken, wie Ytong, Hebel und Silka, innovative Lösungen im Baubereich. Ihre monolithischen Hochleistungsbaustoffe sind, nach dem „Cradle to Cradle“-Prinzip, voll recyclingfähig. Ihre Herstellungsprozesse werden, zur optimalen Ausschöpfung von Ressourcen, wenn möglich in Kooperation oder im Austausch mit anderen Firmen realisiert. Die Xella Group hat ihren Blick klar auf ganz Europa ausgerichtet und arbeitet an zukünftig komplett recycelbaren Häusern.

Jürgen Dawo begeisterte das Publikum mit seinem unternehmerischen Herzblut und energetischem Engagement für eine praxisnahe Integration der drei Nachhaltigkeitssäulen Ökonomie, Ökologie und Soziales. Er verdeutlichte beispielhaft, anhand seines eigenen Unternehmens, welche Möglichkeiten sich mittelständischen Unternehmern und Unternehmerinnen für ein nachhaltiges Engagement bieten, von der Verkleinerung der Hausgrößen aufgrund des demografischen Wandels (Produkt: 78qm Bungalow), der Reduzierung von Rohstoffen bei gleichzeitiger Energieeinsparung, bis hin zum bayerischen Town & Country Wald oder der Town & Country Stiftung für unverschuldet in Not Geratene.

Der aus Funk und Fernsehen bekannte Wildkatzen-Forscher Thomas Mölich stellte in seinem Vortrag das deutschlandweite „Rettungsnetz Wildkatze“ vor. Die Wildkatze wurde dabei ganz bewusst als Sympathieträger zur Wiederherstellung von Biotopen und zum Naturschutz ausgewählt. Seine Forderung: Die Neuvergabe von EU-Mitteln an Bauern 2013 sollte an Nachhaltigkeitsmassnahmen, zum Beispiel zum Anlegen von Waldkorridoren, gebunden werden. Er provozierte mit der Frage, welche ähnlichen Probleme im wirtschaftlichen Umfeld vorhanden seien. Er gemahnte zum Nachdenken über das einseitig getriebene Territorialverhalten des Menschen.

Joachim Wohlfahrth, Architekt der Vollack GmbH in Erfurt, stellte anhand der Konzeption und Realisierung des Hauptverwaltungsgebäudes der Volksbank Karlsruhe ein Nullenergie-Bürogebäude vor, das Nachhaltigkeit in die Markenarchitektur integriert. Es verfügt unter anderem über die erste innerstädtische Erdwärmeanlage. Die Wertsteigerung einer Immobilie durch ein nachhaltiges Energiekonzept verdeutlichte er in einem Gebäudequervergleich. Das auch ästhetisch gelungene Volksbank-Gebäude sollte, im gesellschaftlichen Interesse, deutschlandweit möglichst viele Nachahmer finden.

Mit Zertifikaten und Prüfzeugnissen beschäftigte sich schliesslich Oliver Damm, bevor Bernhard Helbing, Geschäftsführender Gesellschafter der TMP Fenster- und Türen GmbH, sein unterhaltsames Praxisbeispiel in einer dynamischen und sehr persönlichen Art und Weise darstellte. Aktivitäten und Kooperationen müssen glaubhaft zum Unternehmen und zur Marke passen, so Helbig. Die Marke biete die Orientierungslinie für nachhaltige Projekte.

Resümee

Die 1. Nachhaltigkeits-Konferenz in der Mitte Deutschlands überzeugte durch einen gelungenen Start. Nun geht es, mit den Worten von Jens Wollschläger (Vollack Partner), um die Etablierung einer Tradition. Der intensive und bereichsübergreifende Dialog schafft und fokussiert Bewusstsein. Er eröffnet Lösungswege für verantwortliches Handeln und Gestalten aller gesellschaftlich relevanten Gruppen. Mittelständische Wirtschaftunternehmen, speziell Franchise-Systeme, können ihre ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung mit besonderer Dynamik und Konsequenz verfolgen. Sie haben das Potenzial sich zu beispielhaften Vorreitern der Nachhaltigkeitsbewegung zu etablieren.

 

 

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